Der Käsemarkt in Alkmaar 

        

 

Holland kann auf eine lange Tradition in der Käseherstellung zurückblicken. Deshalb verwundert es kaum, dass sich im Laufe der Jahrhunderte ein riesiger Handelszweig um diese beliebte Köstlichkeit entwickelt hat. In der Blütezeit des Käsehandels, im 14. bis 17. Jahrhundert, wurde noch kräftig gefeilscht und die Handelseinigkeit per Handschlag auf dem Marktplatz besiegelt. Der letzte Ort mit einem historischen Markt dieser Art ist der Käsemarkt in Alkmaar. Dort wird noch heute nach alter Sitte Käse angeliefert und gewogen. Und zwar von den so genannten Käseträgern, die sich 1593 zu einer Gilde zusammengeschlossen haben. Aber der Käsehandel in Alkmaar ist noch viel älter. Die erste, in Besitz der Stadt Alkmaar befindliche Käsewaage gab es bereits im Jahre 1365.

Alkmaar Käsewaage
Käsewaage

Die Gilde der Käseträger hatte zwar anders als andere Zünfte keinen eigenen Schutzpatron oder Altar in der Kirche, doch lässt sie sich seit 1612 von folgendem Bibelspruch leiten: „Eine falsche Waage ist dem Herren ein Gräuel, aber ein volles Gewicht ist sein Wohlgefallen“.

Käseträger
Alkmaar Käsemarkt anno 1931

Bis 1916 wurden auf dem Käsemarkt in Alkmaar 300 Tonnen Käse pro Markttag umgesetzt. Eine unvorstellbar große Menge! Deshalb schloss der freitägliche Markt auch erst um 1 Uhr nachts. Nach 1939 war Alkmaar die einzige Stadt in den Niederlanden mit so einer Käsemarkttradition. Damals wie heute findet der Markt auf dem Waagplein, dem Waageplatz, statt. Im 17. Jahrhundert fand der Markt von Mai bis Allerheiligen jeweils am Freitag und Samstag statt, im 18. Jahrhundert sogar an 4 Tagen in der Woche. Immer wieder musste der Waagplein aufgrund des großen Andranges vergrößert werden. Das letzte Mal 1901.

Der Markt ist heute beliebter denn je. Ströme von Touristen besuchen das Handelsspektakel als Erlebnisreise. Mittlerweile sind es circa einhunderttausend Menschen pro Jahr. Wie vor Jahrhunderten findet es freitags von 10 bis 12:30 Uhr vom ersten Freitag im April bis zum ersten Freitag im September statt. Schon morgens wird der Platz geräumt und gesäubert. Im Anschluss schichten die so genannten Setzer den Käse in langen Reihen über- und nebeneinander auf. Um Punkt 10 Uhr ertönt die Glocke zum Zeichen des Marktbeginns. Die für den Alkmaarschen Markt zuständige Käseträgergilde besteht aus 4 Körperschaften oder auch Teams, die sich durch die Farben Ihrer Kostüme unterscheiden: Rot, Gelb, Grün und Blau. Die Käseträger beladen die Tragbahren mit Käse und tragen sie zu den Waagen. Natürlich gibt es für den Ablauf des Marktes genaue Regeln. Zur Sicherstellung der Statuten wird vorher von der Gilde ein Profos, also eine Art Vorsteher mit einem Knecht ernannt. Dieser schreibt die Käseträger bei Verspätung an das Schandbrett und darf dafür Bußgeld einkassieren. Als Zeichen seines Amtes trägt er eine silberne Käsetragebahre am Band. Der Knecht ist nur der Gelegenheitsarbeiter der Gilde. Jedes Team hat einen Teamleiter, der so genannte Käsevater, der an seinem schwarzen Stock mit Silber-Knauf und dem lackierten Strohhut in seiner jeweiligen Team-Farbe leicht zu erkennen ist. Der älteste Käseträger einer Körperschaft wird Tasman, auf Hochdeutsch Taschenmann, bezeichnet. Und tatsächlich trägt er eine schwarze Ledertasche auf dem Bauch. Er ist für die Gewichte zuständig, die er beim Wiegen sorgsam auf die Waage setzt bis das Gewicht des Käses ermittelt ist. Das Gewicht wird auf Waageformularen eingetragen. Währenddessen taxieren Händler die Käsequalität und feilschen um den Preis. Geeinigt wird sich mit einem Handschlag der rechten Hand, ganz wie vor hunderten von Jahren. Und der Käufer kann sich freuen, denn die Käseträger tragen ihm den eben gekauften Käse bis zum Auto.

    


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Der Käsemarkt in Alkmaar, Noordholland

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